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Das Lipödem

Wie erkennt und behandelt man die krankhafte Fettverteilungsstörung?

Das Lipödem – eine lange Zeit verkannte Erkrankung!

TV und Presse berichten seit einiger Zeit über das Lipödem als krankhafte Fettverteilungsstörung. Deshalb ist der Name dieser sehr lange verkannten Erkrankung inzwischen vielen Menschen geläufig. Krankhafte Fettvermehrungen an den unteren Extremitäten führen zu disproportioniert dicken Beinen. Das Lipödem tritt fast ausschließlich bei Frauen auf und zeigt sich in der Regel gegen Ende der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.

Ein Lipödem stellt für viele Betroffene nicht nur eine erhebliche körperliche Einschränkung, sondern auch eine schwerwiegende psychische Belastung dar. Das Selbstwertgefühl leidet, vor allem, solange die medizinische Diagnose nicht bekannt ist. Unzutreffend und stigmatisierend wird ein Lipödem im Umfeld der Betroffenen oft als ein ernährungsbedingtes Konturproblem angesehen.

Auch in das Bewusstsein der Mediziner ist das Lipödem erst in den letzten Jahren gerückt. Tatsächlich ist es eine Jahrtausende alte Krankheit. Man findet bereits im Alten Ägypten die Darstellung eines Lipödems: Die Königin von Punt am Hatschepsut-Tempel trägt die unverkennbaren Fettfalten.

Königin von Punt am Hatschepsut-Tempel
Königin von Punt am Hatschepsut-Tempel

Die Medien haben inzwischen das Lipödem in weiten Kreisen der Bevölkerung bekanntgemacht. Den Betroffenen fehlt aber oft ein solides Wissen über ihre Erkrankung, denn ihnen stehen nicht viele kompetente ärztliche Ansprechpartner zur Verfügung. Viele Ärzte haben fast 80 Jahre nach der Erstbeschreibung durch Allen und Hines (1) mit der Diagnosestellung beim Vorliegen eines Lipödems Schwierigkeiten. Im Vergleich zu anderen lymphologischen und phlebologischen Krankheitsbildern ist die vorhandene Literatur zum Lipödem ausgesprochen spärlich.

Das Lipödem ist keine Variante der Körperform sondern eine Erkrankung, die behandlungsbedürftig ist (2). Auf dieser Webseite informieren wir ausgiebig und detailliert über die krankhafte Fettverteilungsstörung Lipödem sowie die konservativen und operativen Therapieoptionen (Liposuktion).

Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema:

Was ist ein Lipödem?

Beine mit Lipödem von hinten
Asymmetrische Fettverteilung bei Lipödem

Ein Lipödem ist eine Erkrankung mit fortschreitender Fettvermehrung, die symmetrisch an Beinen, Hüften, Gesäß und Armen auftreten kann. Es zeigt sich in massiv vergrößerten Fettzellen, einem gestörten Lymphabfluss und ungewöhnlichen Schmerzen beim Kneiftest.

Ein Lipödem kann in Verbindung mit allgemeinem Übergewicht auftreten, muss es aber nicht. Man stellt ein Lipödem auch bei sehr schlanken Frauen fest. Folglich hat ein Lipödem nichts mit der Körperkonstitution zu tun. Interessanterweise wurde beobachtet, dass ein Lipödem bei Asiatinnen praktisch nicht nachweisbar ist.

Schätzungen zufolge haben etwa zehn Prozent der erwachsenen Frauen ein Lipödem. Unzählige von ihnen glauben irrtümlich, dass sie sich falsch ernähren oder zu wenig bewegen. Lipödem und Übergewicht sind zwei völlig verschiedene Dinge. Allerdings treten sie oft zusammen auf. Bei übergewichtigen Frauen geht ein Lipödem oft im allgemeinen Bild unter. Deshalb treffen Ärzte, die die Erkrankung nicht erkennen, die Fehldiagnose Adipositas.

Wie ist Fettgewebe aufgebaut?

Das Fettgewebe besteht aus einem lockeren Gerüst aus Bindegewebsfasern, in dem die Fettzellen, medizinisch Adipozyten genannt, eingelagert sind. Die wichtigste Funktion einer Fettzelle ist es, sowohl Energie in Form von Triglyzeriden als auch Wasser zu speichern und bei Bedarf wieder freizugeben.

Die Zahl der Fettzellen nimmt im Kindes- und Jugendalter ständig zu. Nach der Pubertät bleibt sie dann lebenslang konstant. Jedes Jahr wird ein Zehntel der Fettzellen vom Körper abgebaut und wieder durch neue Fettzellen ersetzt (3). Auch das intrazelluläre Fett unterliegt einem ständigen Austausch. Durch Diäten kann zwar das im Fettgewebe gespeicherte Fett abgebaut werden, nicht jedoch das Fettgewebe selbst.

Die Fettverteilung variiert geschlechts-, alters- und rassenspezifisch. Frauen weisen gegenüber Männern eine höheren totalen Fettanteil auf. Während Frauen als sog. gynoider Fettverteilungstyp vornehmlich Fettansammlungen im Bereich von Hüften, Po, Oberschenkeln und Oberarmen aufweisen, ist für Männer das sog. androide Fettverteilungsmuster mit Fettvermehrungen im Bereich von Bauch und Taille charakterisierend.

Fettverteilung Mann/Frau
Unterschiedliche Fettverteilung bei Männern und Frauen

Im Bereich des Körperstammes und der unteren Extremität lassen sich eine oberflächliche und eine tiefe Fettschicht unterscheiden, die durch eine dünne Faszie voneinander getrennt werden. Das Gerüst aus Bindegewebsfasern zeigt im oberflächlichen Fettgewebe eine enge, vertikale Anordnung, dagegen im tiefen Fettgewebe nur eine lockere, traubenförmige Struktur.

Welche Symptome führen zur ärztlichen Diagnose Lipödem?

Der Sicht- und Tastbefund sowie die individuelle Patientengeschichte dienen dem Arzt als verlässliche Kriterien bei der Diagnosestellung. Bildgebende Diagnosetechniken wie Ultraschall können differentialdiagnostisch hilfreich sein. Die folgenden klinischen Symptome stellen Anhaltspunkte für ein Lipödem sein:

1. Auffällige Disproportion zwischen Oberkörper und unterer Körperhälfte

Gesäß und Beine wirken gegenüber dem weniger voluminösen Oberkörper unproportioniert. Das gilt unabhängig davon, ob eine vom Lipödem betroffene Frau übergewichtig oder schlank ist. Die Konfektionsgrößen von Ober- und Unterkörper können erheblich differieren.

2. Symmetrische, relativ spontane Volumenzunahme

Das Lipödem tritt immer symmetrisch an beiden Beinen auf und kann auch das Gesäß gleichmäßig umfassen. Darüber hinaus sind in vielen Fällen zusätzlich die Arme betroffen. Niemals sind die Füße bzw. die Hände betroffen. Das vermehrte Fettgewebe endet vor den Knöcheln bzw. Handgelenken. Am Übergang zwischen dem Lipödem und den Händen oder Füßen kann ein sogenannter „Fettkragen“ auffallen.

3. Diätresistenz

Die Menge des Fettgewebes im Bereich des Lipödems lässt sich weder durch Diät noch Sport reduzieren. Es ist sogar möglich, dass eine Gewichtsreduktion die bestehende Unproportionalität verstärkt. Normalerweise lagert ein Mensch, wenn er zu viele Kalorien zu sich nimmt, Fett am Körper gleichmäßig verteilt ein. Nimmt er wieder ab, kommt es entsprechend zu einer gleichmäßigen Fettreduktion am ganzen Körper. Bei einem Lipödem werden überschüssige Kalorien bevorzugt in den Fettdepots des Lipödems gespeichert. Bei einer Diät wird das Fett aber nicht dort in demselben Verhältnis reduziert. So kann die schon bestehende Unproportionalität der Körperkontur sich verstärken.

4. Schnell entstehende blaue Flecken

Zu den Lipödem-Symptomen zählt auch eine erhöhte Neigung zu Blutergüssen. Selbst leichtere Verletzungen verursachen einen blauen Fleck. Es liegt aber keine Gerinnungsstörung im ganzen Körper vor. Vermutlich sind die Gefäße im betroffenen Gewebe leichter verletzlich. Auch die Neigung zu sichtbar erweiterten Kapillaren in der Haut, den sogenannten Besenreisern, gilt als Anzeichen für ein Lipödem.

5. Druckempfindlichkeit

Das Lipödem führt oft zu einer auffälligen Berührungs- und Druckschmerzhaftigkeit. Ein vorsichtiges Kneifen im Bereich des Lipödems verursacht ungewöhnliche Schmerzen, nicht dagegen ein Kneifen am Bauch oder Rücken. Im fortgeschrittenen Stadium verursachen bereits enger anliegende Kleidungsstücke Schmerzen.

6. Spannungsgefühl und Schmerzen

Typische Beschwerden bei einem Lipödem sind Spannungsgefühl und Schmerzen in den Beinen. Sie beginnen bei längerem Stehen oder Sitzen und werden im Laufe des Tages als Folge zunehmender Flüssigkeitseinlagerung heftiger, insbesondere bei warmem Wetter. Darüber hinaus geben betroffene Frauen nicht selten an, dass die Schmerzsymptome in den Tagen vor der Monatsblutung besonders stark auftreten.

7. Keine Schmerzlinderung durch Hochlagern der Beine

Bei Spannungsgefühl und Schmerzen in den Beinen spricht für ein Lipödem, wenn sich durch Hochlagern der Beine keine nennenswerte Besserung erreichen lässt.

8. Keine Korrelation zwischen Menge der Fettvermehrung und Schmerzhaftigkeit

Die Schmerzhaftigkeit des Lipödems hängt nicht von der Menge des Fettgewebes sondern vom Ausmaß der Flüssigkeitseinlagerung ab. Auch ein mäßig ausgeprägtes Lipödem kann stärkere Schmerzen verursachen.

9. Knötchen unter der Haut

Die Haut im Bereich des Lipödems fühlt sich im Vergleich zur Haut an Bauch und Rücken knotig an. Wenn deutliche Knoten zu spüren sind, ist das Gewebe dellig. In späteren Stadien können regelrechte Wülste vorhanden sein.

Wie unterscheidet sich ein Lipödem von einer Lipohypertrophie?

Die Lipohypertrophie, auch „das dicke Bein der gesunden Frau“ genannt, ist im Erscheinungsbild einem Lipödem sehr ähnlich. Die Fettverteilung bei der Lipohypertrophie ist symmetrisch angelegt, diätresistent und auch die Körperform wie bei einem Lipödem disproportioniert. Auch kann eine erhöhte Hämatomneigung bei einer Lipohypertrophie vorliegen. Dagegen fehlen grundsätzlich die Schmerzhaftigkeit und die Neigung zu Flüssigkeitseinlagerungen in der zweiten Tageshälfte.

Eine Lipohypertrophie wird im Gegensatz zum Lipödem nicht als Erkrankung angesehen. Aus einer Lipohypertrophie kann sich allerdings ein Lipödem entwickeln.

Wie unterscheidet sich ein Lipödem von einem Lymphödem?

Ein Lymphödem beginnt meist mit einer einseitigen Beinschwellung. Diese zeigt sich zunächst am Unterschenkel und erfasst erst später den Oberschenkel. Nach einiger Zeit schwillt auch das zweite Bein an. Das Lymphödem greift auch regelmäßig auf den Fußrücken über, das Lipödem nicht. Druckschmerzhaftigkeit des Gewebes oder Neigung zu Blutergüssen fehlen beim Lymphödem.

Trotz der genannten Unterscheidungsmerkmale mit großer Aussagekraft wird bei einem Lipödem nicht selten die Fehldiagnose Lymphödem gestellt. Der Differentialdiagnose zwischen einem Lipödem und einem Lymphödem dient das sogenannte Stemmer’sche Zeichen. Lässt sich die Haut am Rücken der zweiten oder dritten Zehe mit Daumen und Zeigefinger nicht oder nur sehr schwer (infolge der Verhärtung des Gewebes) abheben oder fälteln, ist das Stemmer’sche Zeichen positiv und es liegt ein Lymphödem vor. Wenn sich über der zweiten oder dritten Zehe eine Hautfalte abheben lässt, spricht man von einem negativen Stemmer´schen Zeichen. Bei einem Lipödem ist das Stemmer´sche Zeichen negativ.

Stemmer’sches Zeichen
Stemmer’sches Zeichen

Außerdem weisen vertiefte natürliche Hautfalten an den Gelenken, Schwellungen an Fuß- und Handrücken sowie eine pralle Haut auf ein Lymphödem hin.

Was ist ein Lip-Lymphödem?

Bei einem fortgeschrittenen Lipödem kann sich ein sekundäres Lymphödem manifestieren. Diese Mischform der zuvor beschriebenen Krankheitsbilder bezeichnet man als Lip-Lymphödem.

Die Fettzellen sind im Bindegewebe verankert und von feinsten Lymph- und Blutgefäßen umgeben. Wenn extreme Vergrößerung des Fettvolumens die Lymphgefäße schleichend zudrückt, kann die Lymphflüssigkeit nur noch bedingt abtransportiert werden und eine lymphatische Schwellung entsteht.

Wie unterscheidet sich ein Lipödem von einer Adipositas?

Bei Adipositas beruht die übermäßige Vermehrung des Fettgewebes auf einer Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit mit starkem Übergewicht. Ein Lipödem lässt sich von einer Adipositas sehr gut abgrenzen. Bei einer Adipositas stimmt die Proportion zwischen Rumpf und Extremitäten weitestgehend oder das Körperfett konzentriert sich auf die Körpermitte wie Bauch und Po.

Adipöse Fettdepots sind mit viel Bewegung und gesunder Ernährung in den Griff zu bekommen. Die Fettvermehrung beim Lipödem bleibt aber nahezu unverändert, wenn man Gewicht reduziert. Man verliert Fettvolumen an den Stellen, die nicht von der Erkrankung betroffen sind, jedoch nicht an den Problemzonen, die vom Lipödem betroffen sind.

Typen des Lipödems anhand des Fettverteilungsmusters: Welche Formen gibt es?

Für das Verteilungsmuster des krankhaft vermehrten Fettgewebes gibt es eine Typen-Klassifizierung des Lipödems:

Typ 1: Beim Oberschenkel-Typ sind nur Hüften, Gesäß und Oberschenkel betroffen. Diese Form der Fettverteilung wird als auch Reiterhosenphänomen bezeichnet.

Typ 2: Beim Unterschenkel-Typ sind zusätzlich die Unterschenkel betroffen. Wegen des Verlustes des typischen Beinkontur bezeichnet man dieses Verteilungsmuster als Säulenbein.

Typ 3: Beim Knöchel-Typ reicht die Fettvermehrung bis zu den Knöcheln. Dort wird eine Stufe erkennbar, denn Füße und Hände sind bei einem reinen Lipödem immer frei. In sehr schweren Fällen zeigt sich ein sog. Fettkragen, der sogar über die Knöchel herunterhängen kann. Für dieses Erscheinungsbild ist der Begriff Pumphose bezeichnend.

Fettkragen
Abbildung eines Fettkragens bei Lipödem

Stadien des Lipödems anhand der Haut- und Fettveränderungen: Wie verläuft die krankhafte Fettverteilung?

Das Lipödem neigt zu einer chronischen Progredienz, die sich allerdings sehr unterschiedlich zeigt und im Einzelfall nicht vorhersagbar ist. Bei manchen Frauen kommt es zu einer Zunahme des Fettgewebes bis zu einer bestimmten Ausprägung und das Lipödem verharrt in diesem Status lebenslang. In anderen Fällen nimmt das Lipödem dagegen stetig zu. Auch schubartige Verläufe mit einem Wechsel von konstanten und progredienten Zeiträumen sind möglich.

Der Schweregrad des Lipödems wird anhand der sichtbaren Hauttextur und der tastbaren Fettgewebsstruktur in verschiedene Stadien eingeteilt:

Stadium I: Das Unterhautfettgewebe fühlt sich mäßig verdickt und weich an. Die Hautoberfläche ist glatt und gleichmäßig. Wird die Haut zusammen mit dem Unterhautfettgewebe beim Pinch-Test zusammengeschoben, zeigt sich eine Orangenhauttextur.

Zeichnung des Punch-Test
Orangenhauttextur beim Punch-Test

Stadium II: Das Unterhautfettgewebe ist stärker verdickt, fühlt sich aber noch weich an. An der unebenen, welligen Hautoberfläche zeigen sich großen Dellen und Knoten. Dieses Erscheinungsbild wurde Matratzenhaut benannt.

Stadium III: Das stark verdickte Unterhautfettgewebe ist verhärtet. Es zeigt sich eine sehr unebene Hautoberfläche mit großen Hautfettwülsten, die im Knie- und Oberschenkelbereich zu einer Behinderung beim Gehen führen können. Die Ausbildung von Hautfettlappen wird als Wammenbildung bezeichnet.

Zeichnung der Wammenbildung
Wammenbildung

Das Lipödem: Welche Ursachen sind bekannt?

Die genauen Ursachen für diese Fettverteilungsstörung sind noch nicht geklärt. Betroffen sind fast ausschließlich Frauen. Das Lipödem tritt typischerweise gegen Ende der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren auf. Die krankhafte Fettvermehrung kann sich aber auch im Zusammenhang mit einer gynäkologischen Operation wie die Entfernung von Gebärmutter, Eierstöcken, Eileitern entwickeln bzw. verschlimmern.

Aufgrund dieser Feststellungen wird eine hormonelle Ursache dieser Krankheit vermutet. Wenn in sehr seltenen Einzelfällen eine Lipödem-ähnliche Fettverteilungsstörung bei einem Mann festgestellt wurde, stand diese im Zusammenhang mit einer Hormontherapie oder Hormonstörung. Darüber hinaus scheint die Disposition zu einem Lipödem vererbbar zu sein, da eine familiäre Häufung des Lipödems nachgewiesen wurde. Bis jetzt ist also wissenschaftlich nicht geklärt, warum und wie ein Lipödem entsteht. Eine Beteiligung der Sexualhormone und der Gene scheint aber sicher.

Ob es sich feingeweblich um Vergrößerungen oder Vermehrungen der Fettzellen oder eine Kombination handelt, ist unklar. Gleichzeitig nimmt die Gewebeflüssigkeit im Interstitium zu. Das Lymphsystem wird nach und nach überlastet, weshalb zunehmend Flüssigkeit im Gewebe eingelagert wird. Zusätzlich verändert sich das unmittelbar unter der Haut gelegene Geflecht aus Kapillaren und Nerven, was wiederum die Druckschmerzhaftigkeit und die erhöhte Neigung zu blauen Flecken erklärt.

Therapie des Lipödems – dauerhafte Entstauung und Kompression versus einmalige Liposuktion ?

Die konservative Basisbehandlung mittels komplexer physikalischer Entstauungstherapie (manuelle Lymphdrainage, Kompression, Krankengymnastik) beeinflusst primär das Ödem und die dadurch verursachten Beschwerden. Die operative Therapie mittels Liposuktion ermöglicht eine gezielte Reduktion umschriebener Fettvolumina mit Normalisierung der Körperproportionen und Verminderung der Ödem- und häufig auch der Hämatomneigung. Die Kombination beider Verfahren gilt heutzutage als Therapieoptimum und ermöglicht eine früher nicht vorstellbare Verbesserung der Lebensqualität.

Das Lipödem ist eine meist fortschreitende und deshalb behandlungspflichtige Erkrankung. Die Symptome nehmen unbehandelt zu. Ein zunächst leichtes Lipödem kann sich zu einem fortgeschrittenen Lipödem mit großen Fettgewebsmengen entwickeln.

Man unterscheidet für die Behandlung eines Lipödems zwischen einem konservativen und einem operativen Vorgehen. Für beide Therapieoptionen gilt: Ein frühzeitiger Beginn kann das Auftreten von schweren Ausprägungen verhindern. Bei fortgeschrittenen Behandlungsfällen gilt heutzutage die Kombination beider Verfahren als Therapieoptimum.

Die konservative Behandlung eines Lipödems basiert auf physiotherapeutischen Maßnahmen, da es ohne Kenntnis der Ursachen eine medikamentöse Therapie ausgeschlossen ist. Als Maßnahmen kommen Kompressionstherapie, manuelle Lymphdrainage, Hautpflege und Bewegungstherapie zur Anwendung. Wer Übergewicht hat, sollte dieses abbauen.

Mit einer konservativen Behandlung kann eine Zunahme des Lipödems verlangsamt, die Schmerzhaftigkeit gelindert, die Flüssigkeitseinlagerungen reduziert und dem Entstehen eines Lip-Lymphödems vorgebeugt werden. Eine Fettreduktion ist damit jedoch nicht möglich. Physiotherapeutische Maßnahmen müssen lebenslang regelmäßig durchgeführt werden, anderenfalls treten die Beschwerden erneut auf.

Die operative Therapie mittels Liposuktion ist in Bezug auf die Verminderung der Beschwerden bei einem Lipödem nachhaltig. Erfahrungsgemäß erreicht man weitgehende Schmerzfreiheit oder eine Rückgang auf deutlich geringere Schmerzen als vor der Liposuktion. Zusätzlich bewirkt die Fettabsaugung bei Lipödem eine Verminderung des Fettgewebes mit Normalisierung der Körperproportionen. Darüber hinaus wird bei einem ausgeprägten Lipödem erreicht, dass sich die körperliche Mobilität der Betroffenen wieder merklich verbessert.

Das operative Vorgehen macht es in der Regel möglich, dass die physiotherapeutischen Maßnahmen danach zurückgefahren oder sogar abgesetzt werden können. Die nach der Liposuktion verbesserte Lebensqualität kann auf Dauer aber nur durch eine Lebensweise mit ausgeglichener Ernährung und viel Bewegung aufrechterhalten werden.

Quellen:

1) Allen EV, Hines EA. Lipedema of the legs. Proc. Mayo Clin 1940; 15:184-187. L. E. Wold, E. A. Hines, E. V. Allen: Lipedema of the legs; a syndrome characterized by fat legs and edema. In: Annals of internal medicine. Band 34, Nummer 5, Mai 1951, S. 1243–1250, PMID 14830102.

2) S1-Leitlinie: Lipödem, AWMF-Registernummer 037/012 (online: Volltext), Stand 31. Oktober 2015 Deutsche Gesellschaft für Phlebologie: S1-Leitinie Lipödem 10/2015. www. awmf.org

3) Das Beharrungsvermögen der Adipozyten oder warum alle Diäten versagen. In: Deutsches Ärzteblatt. 7. Mai 2008.

4) Baumgartner A. Operative Therapie – Notwendigkeit oder Luxus? Vasomed 2014; 26: 238.

5) Bender H, Cornely ME, Pleiß C, Risse JH: Lymphszintigraphie beim Lipödem. Einfluss einer Liposuktion. Vasomed 2007;19: 60-62.